In schwierigen Zeiten Haltung zeigen – ein Gespräch mit der Nichte von Karl Leisner 

 

Am 26.02. hatte die Lise-Meitner-Gesamtschule Besuch von Monika Kaiser-Haas, der Nichte des seligen Karl Leisner.
Mehrere Geschichts- und Religionskurse erfuhren in einem eindrucksvollen Vortrag in der Bibliothek vom Leben und Wirken des einzigen Menschen, der in einem Konzentrationslager zum katholischen Priester geweiht wurde.

1945 starb er an den Folgen seiner KZ-Haft. 1996 wurde Karl Leisner für sein mutiges Einstehen für seinen Glauben im Widerstand gegen den Nationalsozialismus durch Papst Johannes Paul II. selig gesprochen. Das bedeutet, dass er öffentlich in der Kirche verehrt werden darf. 

Monika Kaiser Hass – eine Tante unserer Lehrerin Anette Pallutz – hat sich seit viele Jahren mit dem Leben ihres Onkels beschäftigt und konnte so ein anschauliches und facettenreiches Bild seines Tuns entwerfen. Nachdem er das Attentat, das 08.11.1939 auf Hitler verübt worden war, gutgeheißen hatte, wurde er einen Tag später durch die Gestapo verhaftet und zunächst ins KZ Sachsenhausen und später nach Dachau gebracht, wo er unter großer Geheimhaltung und großen Gefahren 1944 zum Priester geweiht wurde. 

Was kann Karls Leisner uns heute sagen? Die Schüler:innen formulierte es so: „Für mich zeigt Karl Leisner, dass Glaube und Liebe ganz viel bewirken können – sogar in dunklen Zeiten“ – „Der Vortrag hat mir noch einmal klar gemacht, wie wichtig es ist, an sich selbst zu glauben. Ich finde es beeindruckend, dass er trotz aller Umstände seinem Glauben und seiner Überzeugung treu geblieben ist“„Mich hat besonders bewegt, dass er im Konzentrationslager Russische gelernt hat, um russische Häftlinge zu trösten. Das finde ich unglaublich stark, weil er trotz seines eigenen Leids an andere gedacht hat.“ – „Ich bin beeindruckt von dem Mut, den Karl Leisner in einer so schweren Zeit hatte. Gerade heute, wo es wieder viele politische Umbrüche gibt, braucht man Mut. Für mich zeigt sein  Leben, dass man auch in schwierigen Zeiten Haltung zeigen muss.“ 


„Um 08:00 Uhr stand dann die Stasi vor der Tür“ – ein Zeitzeugengespräch

 Am 17.03.26 hatten die Geschichtskurse aus der Q2 Barbara Hartmann zu Gast. Die gebürtige Magdeburgerin erzählte in der Schulbibliothek anschaulich über ihre Kindheit und Jugend in der DDR. 

Während auf der einen Seite von einer durchaus glücklichen Kindheit die Rede war, berichtete Barbara Hartmann auch davon, was es bedeutete, in einem vom Staatsatheismus geprägten Land als bekennende Christin zu leben.

„Schon als kleine Kinder mussten wir Sachen verheimlichen, damit es keine Probleme gab“ erinnert sie sich. Die Verweigerung der sozialistischen Jugendweihe führte zu ernsten Gesprächen mit dem Direktor: sie solle doch mal überlegen, was das für ihre berufliche Zukunft bedeute. Ein Abitur sei so nicht mehr möglich.  

Ein Ereignis veränderte ihr Leben dann dramatisch. Ihr Vater entschied sich, nach einer genehmigten Reise in Westen nicht mehr in die DDR zurückzukehren. Am nächsten Morgen wurde sie aus dem Unterricht geholt und von der Stasi verhört. Die Stasi parkte mit unauffälligen Wagen vor der Haustür. Besonders ihre Mutter wurde immer wieder zu Verhören durch Stasi-Offiziere  abgeholt; vermutete man doch, dass sie in die Fluchtpläne des Vaters eingeweiht war. Dass ihre Wohnung von der Stasi verwanzt worden war, dessen ist Barbara Hartmann sich sicher. Wollte man sich unterhalten, ohne dass das Ministerium mithörte, drehte man zur  Sicherheit das Radio laut auf. 

Einige Jahre später ging dann alles ganz schnell. Der Familie wurde von den Behörden mitgeteilt, dass sie innerhalb von 48 Stunden die DDR verlassen müsse. Jeder konnte einen Koffer packen – mehr war nicht drin. Einige wenige Dinge konnten von Nachbarn nachgeschickt werden. 

Seit vielen Jahren lebt Barbara Hartmann nun im Rheinland und fühlt sich wohl hier. Dass sie zu vielen Freundinnen aus ihrer alten Heimat wieder Kontakt haben kann, empfindet sie als besonderes Geschenk. 

Für die Schülerinnen und Schüler der Q2 war es eine eindrucksvolle Begegnung mit einer starken Frau. 

Erinnerung lebt – Die LMG auf der Bildungsmesse Didacta

Wie verändert sich Erinnerungskultur? Dieser Frage ging der LK Geschichte aus der Q1 zusammen mit seiner Kurslehrerin Frau Reinhardt an mehreren Tagen im EL-DE-Haus in Köln nach. 

Im Projekt „ErinnerungskulturEN im Dialog“ trafen die Schüler:innen mit Kölner Senior:innen zusammen. Man sprach über das Erinnern und das Vergessen – kollektiv und individuell. Gemeinsam erkundete man Erinnerungsorte im Stadtgebiet: das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms II. an der Hohenzollernbrücke, der Plakette im Gedenken an den NSU-Anschlag in der Probsteigasse oder die Stolpersteinen an unterschiedlichen Stellen in der Stadt. Die Schüler:innen und die Senior:innen entdeckten so ihre unterschiedlichen Perspektiven auf die Darstellungen und sprachen über ihre Ideen einer pluralistischen Erinnerungskultur in der Zukunft.  

Am Donnerstag, 12.03. wurde das Ergebnis in einer spannende Podiumsdiskussion auf der Bildungsmesse professionell vor einer großen Zuhörerschaft präsentiert. Sofia und Laso stellten sich gemeinsam mit Frau Reinhardt, Herrn Dr. Lukaßen vom NS Dokumentationszentrum in Köln und Andreas Weinhold von der Landesinitiative „Bildungspartner NRW“ den Fragen des Moderators Dr. Matthias Degen.

Es war bemerkenswert, wie souverän unsere Schüler:innen im Gespräch agierten und so einen eindrücklichen Einblick in die Begegnungen der Generationen geben konnten. 

Daniel Horn
Abteilungsleiter Sek II